Bogenwald
Die Nacht des Raben

Veranstaltungsinformationen

 

Die Luft ist erfüllt von schwarzem Qualm und dem durchdringenden Geruch nach Schweiß und Blut.

Es würde Tage dauern, bis sich der Rauch legte und nicht mehr in Augen und Lunge brannte.

Jeder von ihnen hatte einen hohen Tribut gezahlt – und wofür?

Das aufgebrochene Tor von Bogenwald klafft wie ein zahnloses Maul vor uns auf.

Die geschwärzten Balken des Tavernendaches ragen in den teilnahmslosen Himmel wie das Gerippe eines riesigen, vorzeitlichen Tieres und irgendwo aus den Trümmern eines ehemaligen Hauses dringt ein anhaltendes Wehklagen.

 

 

Es kam beinahe einem Wunder gleich, dass wir überhaupt so weit gekommen waren.

Ein ungeordneter, zerstrittener Haufen waren wie gewesen – mehr mit uns selbst, als mit der Bedrohung durch die Orks beschäftigt.

Die Truppenkommandanten hatten sich alle paar Tage geändert, wurden abgesetzt oder traten freiwillig zurück.

Das hartnäckige Gerücht, dass Leto nicht mehr der Selbe war, seit er das Schwert seiner Ahnen durch den Eichenmann wiedergefunden hatte, entzweite Freundschaften und Vertrauen.

Es wurde geflüstert, dass es ein Werk des Schrates wäre und ihn negativ beeinflusste. Aus dem Flüstern wurde eine offene Anklage. Und obwohl sich herausstellte, dass das Ahnenschwert tatsächlich vom Eichenmann geschickt war, blieb der Beigeschmack des Verrats zurück.

 

Das Lager der Vertriebenen entwickelte sich immer mehr zu einem Siedekessel des Misstrauens.

Auch Aldoran Brechblüt, der amtierende Bürgermeister im Exil, war nicht davor gefeit. Um endlich für Ruhe zu sorgen und die Pläne voranzutreiben machte er seiner angestauten Wut Luft und von seiner Schusswaffe Gebrauch – mit tödlichen Folgen.

Doch all die Ausbrüche der Tage schienen wie ein reinigendes Gewitter gewirkt zu haben.

Die Gemüter beruhigten sich allmählich und man entschied mehr oder minder einstimmig dafür, dass die Truppen von nun an von dem Veteranen Antonius geführt werden sollten – ein guter Entschluss, wie sich beweisen sollte.

 

* * *

 

Dunkelheit und Stille – das war alles, aus dem ihre Tage während der Streitereien und Scharmützel

bestanden hatten.

Der Kreis war zerbrochen, der Zirkel gesprengt und der Schrat hatte sich das geholt, was ihnen am wichtigsten erschienen war.

Es waren nicht Augen und Zunge, es war die klare Sicht auf Gegenwart und Zukunft, sowie die Fähigkeit der heilsamen Worte und des Austausches. Wie Tusche in einem Wasserglas war er durch die klaffende Lücke in ihrer Verteidigung gesickert und hatte ihre Sinne getrübt und verdorben.

Mit Hilfe einiger inzwischen vertrauter Weggefährten versuchten Greta und Mira wieder Kontrolle über das zu erlangen, was ihnen geraubt wurde.

 

Doch nicht nur auf sie selbst schien der Schrat seine Macht ausgeweitet zu haben – tief im Wald, nahe der verderbten Lichtung, fand man eine Shallay – eines der Kinder des Eichenmannes.

Sie war zwischen drei unheilvoll leuchtenden Kristallen gefangen und diese schienen eine Verbindung zu den Schwestern zu haben.

Nach und nach lösten sich die verworrenen Fäden und die Rätsel hinter den fehlenden Sinnen und der gefangenen Shallay konnten gelöst werden. Stimme und Spiegel wurden geborgen und mittels der blauen Perlen der letzte Machtkristall gebrochen.

Als Dank schickte der Wald selbst einen mächtigen Verbündeten zu den Vertriebenen – den wandelnden Baum, den Borkenwächter.

 

Doch nicht nur Orks, Schrat und die übliche Missgunst der Menschen setzte ihnen zu.

Er streifte wieder durch den Wald – er, der sich in die Herzen und Köpfe der Menschen zu schleichen

vermochte wie kein anderer.

Hier und da fanden sich immer wieder schwarz glänzende Federn auf den Wegen und wer sie berührte wandte sich gegen jeden, der ihm nahe kam.

Einige Mondumläufe war es nun schon her, dass sich der Schrat des Rabenmannes bemächtigt hatte

und langsam entfaltete sich sein verlockendes Tun.

 

* * *

 

Die Schlacht gegen die übermenschlich starken Orks war hart gewesen und hatte viele Opfer gefordert – von einem jeden, der beteiligt gewesen war. Egal ob Kämpfer in der ersten Reihe, Bogenschütze oder Heiler,

jeder blutete und sah Freunde unter den bestialischen Streichen der Gegner fallen.

Von den Versprechungen des Schrates verführt schloss sich eine Gruppe vormals verbündeter Nordmänner

dem Feind an – beinahe ihr gesamter Schildwall ging somit verloren und jegliche Taktik damit vorerst dahin.

Blut, Schweiß und Tränen tränkten die Erde vor den Dorftoren und selbst die Kräfte und der Wille des Eichenmannes schienen dadurch zu schwinden.

Doch kurz bevor es so aussah, als wäre Bogenwald für immer verloren, wagten die Orks einen halsbrecherischen letzten Ausfall in die Reihen der Heiler und Verwundeten.

Warum sie das taten mochte noch lange Rätsel aufgeben – doch rettete es die Vertriebenen in einen äusserst bitteren Sieg.

Wohin sie gegangen waren konnte niemand sagen. Vielleicht versteckten sie sich tief in den dunklen Wäldern des Immergrüns um ihre Kräfte erneut zu bündeln. Vielleicht war ihnen das Dorf am Ende dann doch nicht den eigenen Tod wert. Vielleicht hatte auch ihr Schamane ihnen ein Geheimnis offenbart, von dem sonst niemand wissen konnte.

Die Zeit würde es zeigen und hoffentlich waren die Bewohner Bogenwalds dann besser vorbereitet

als das letzte Mal.

 

Bogenwald ist beinahe vollständig niedergebrannt.

Jeder von uns hat einen hohen Tribut gezahlt – und wofür?

Wir wissen es alle in unserem Innersten. Wir haben nicht nur für uns und unsere Liebsten gekämpft – sondern für etwas weitaus Größeres. Für den Schutz der Wege in alle Welten.

Denn Siofra scheint viel mehr zu sein als eine Insel zwischen den Schleiern und Gezeitenströmen.

Wir haben bisher nur einen Bruchteil ihrer Geheimnisse gelüftet – was mag sich unter Blatt, Erde und Stein noch verbergen.

Wenn Siofra fällt könnte noch viel mehr verloren gehen als nur ein kleiner Ort am Rande der Meere.

 

Nach der Nacht kommt ein neuer Morgen.

Ein Morgen in den gewohnten und geliebten Dorfmauern – auch wenn sie teilweise nicht mehr stehen.

Und mit dem Morgen neue Möglichkeiten und neue Kämpfe.

 

OT-Informationen

 

Veranstaltungszeitraum: 21. – 25. August 2019
 
Anreisen könnt ihr ab Mittwoch, dem 21. August.
 
Wir bieten auch eine Frühanreise ab Dienstag, den 20. August, für einen Aufpreis an.
 
Künstler nehmen vor der verbindlichen Anmeldung bitte Kontakt mit uns auf.
 
 
Selbstversorger-Veranstaltung.